An den Tagen vor der Periode härter trainieren, die Schwere einfach wegbewegen: Dieser Rat hält sich hartnäckig. Ich habe ihn jahrelang befolgt und mich durch meine Yogastunden gequält, wenn mein Körper längst etwas anderes wollte. Heute mache ich es umgekehrt, und das hat mehr verändert als jede zusätzliche Runde Kraftflow.
Die Idee klingt vernünftig. Sie geht nur an dem vorbei, was in den Tagen vor der Blutung oft passiert. Du wirst schneller müde. Deine Reizschwelle sinkt, ein Satz, der dich sonst kaltlässt, sitzt plötzlich. Und die Pose, die letzte Woche noch leicht war, fühlt sich zäh an. Dagegen anzukämpfen kostet dich Kraft, die du gerade nicht im Überfluss hast.
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Was sich in den PMS-Tagen auf der Matte oft anders anfühlt
Ich merke es zuerst an der Atmung. Sie wird flacher, ungeduldiger. Dann an der Konzentration: Ein Flow, dem ich sonst gerne folge, wird zur Aufgabenliste, die ich abarbeiten will, damit sie vorbei ist. Der Körper fühlt sich weniger elastisch an, manchmal ziept es im unteren Rücken oder im Bauch.
Das hat nichts mit Disziplin zu tun. In der zweiten Hälfte deines Zyklus verändert sich einiges in deinem Hormonhaushalt, und viele Frauen spüren das körperlich und emotional deutlich. Wie stark, ist von Frau zu Frau verschieden, bei manchen kaum, bei anderen sehr. Wenn deine Praxis sich in diesen Tagen anders anfühlt, ist das nachvollziehbar und kein Grund, dich mehr anzutreiben.
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Warum das Durchziehen dich oft mehr kostet als es bringt
Wenn ich an einem PMS-Tag meine übliche fordernde Praxis erzwinge, werde ich ungeduldig mit mir. Ich vergleiche mich mit der Version von mir, die vor einer Woche leichter durch die Stunde kam. Am Ende bin ich gereizter als vorher, und der Rest des Tages fühlt sich enger an.
Der Körper spart in dieser Phase ohnehin an Energie. Wenn du oben noch Leistungsdruck draufsetzt, arbeitest du gegen dich. Bewegung schadet dabei nicht, im Gegenteil, sie tut in dieser Zeit oft richtig gut. Entscheidend ist, mit welchem Tempo und welcher Haltung du auf die Matte gehst.
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Wie eine leisere Praxis konkret aussieht
Leiser üben heißt, die Praxis so zu bauen, dass sie dich stützt statt dich zu fordern. Bei mir sieht das so aus:
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Länger halten, weniger wechseln. Statt einem schnellen Flow bleibe ich in wenigen Haltungen und atme dort mehrere Runden. Der Körper kommt zur Ruhe, statt ständig neu zu justieren.
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Bodennahe Haltungen. Kindhaltung, eine sanfte Vorbeuge im Sitzen, die Beine an der Wand hoch. Positionen, in denen du dich nicht ausbalancieren musst, nehmen Druck raus.
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Weicher Bauchraum. Ich vermeide harte Bauchübungen und intensive Drehungen und gehe stattdessen in weite, offene Haltungen, die dem unteren Rücken Platz geben.
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Atem vor Ehrgeiz. Wenn ich merke, dass ich eine Pose nur noch aushalte, um sie zu schaffen, gehe ich raus und lege mich hin. Diese Erlaubnis ändert alles.
Das hat nichts mit Schonung zu tun und auch nichts damit, dich für krank zu halten. Du gibst deiner Praxis eine Form, die zu deinem Energielevel an diesem Tag passt.
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Der Perspektivwechsel: den Zyklus als Taktgeber lesen
Für mich lag der eigentliche Wechsel in der Frage, die ich mir stelle, bevor ich auf die Matte gehe. Früher fragte ich nur nach dem Plan für den Tag. Heute schaue ich zuerst, wo ich gerade in meinem Zyklus stehe und was dazu passt.
Dein Körper arbeitet nicht jeden Tag gleich, und das ist keine Schwäche im System. In den Tagen um den Eisprung habe ich oft viel Energie und Lust auf kräftige, dynamische Praxis. In den PMS-Tagen brauche ich Ruhe, Wärme und weniger Reize. Wenn ich das ernst nehme, komme ich deutlich gelassener durch diese Tage. Die Beschwerden verschwinden nicht, aber ich mache mir wenigstens keinen zusätzlichen Druck.
Dieser Perspektivwechsel wirkt auch über die Matte hinaus. Wer merkt, dass die eigene Gereiztheit an bestimmten Tagen mit dem Zyklus zu tun hat, nimmt sich selbst weniger übel und erklärt es leichter den Menschen um sich herum. Das nimmt vielen kleinen Konflikten die Spitze.
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Fazit
Die Annahme, du müsstest dich in den PMS-Tagen besonders zusammenreißen, führt viele in die Erschöpfung. Der andere Weg ist einfacher, als er klingt: Du liest, was dein Körper an diesem Tag anbietet, und passt deine Yogapraxis daran an. Du hältst Haltungen länger und bleibst näher am Boden. So wird die Matte in dieser Phase ein Ort, an dem du zur Ruhe kommst. Und das trägt dich oft weiter als jede erzwungene Runde.
Gut zu wissen
Häufige Fragen
Kurz beantwortet, damit du den Impuls leichter in deine Praxis einordnen kannst.
Sollte ich in den PMS-Tagen ganz auf Yoga verzichten?
Nein, das musst du nicht. Bewegung tut vielen Frauen in dieser Zeit gut. Es geht eher darum, das Tempo und die Intensität anzupassen: länger in wenigen Haltungen bleiben, bodennah üben und den Atem über den Ehrgeiz stellen. Wenn dir an einem Tag gar nichts guttut, ist auch eine Pause völlig in Ordnung.
Welche Yogahaltungen fühlen sich vor der Periode oft angenehm an?
Viele empfinden bodennahe, ruhige Haltungen als wohltuend, etwa die Kindhaltung, eine sanfte sitzende Vorbeuge oder die Beine an der Wand hoch. Weite, offene Positionen, die dem Bauchraum und dem unteren Rücken Platz geben, werden oft als angenehmer erlebt als harte Bauchübungen oder intensive Drehungen.
Wie erkenne ich, ob ich meine Praxis anpassen sollte?
Achte auf einfache Signale: flacher Atem, sinkende Konzentration, ein Körper, der sich zäh oder schwer anfühlt, oder eine gereizte Stimmung. Wenn du eine Haltung nur noch aushältst, um sie zu schaffen, ist das ein guter Moment, um weicher zu werden oder dich hinzulegen.

